Paolo Giovio (1483/6–1552), Arzt, Historiker, Biograph und päpstlicher Diplomat, stattete seine prächtige Seevilla in Borgovico bei Como in Italien (errichtet 1537–1543) mit einer Sammlung von Porträtbildern berühmter Literaten, Machthaber (Päpste, Könige, Feldherren) und bildender Künstler aus und bedachte diese jeweils mit einer lateinischen Kurzvita in Prosa (dem Elogium) aus eigener sowie – in den meisten Fällen – einem Epitaph oder ähnlichem Gedicht aus fremder Feder. Diese Zusammenstellungen intendierte Giovio für eine Präsentation unter oder neben den entsprechenden Porträts auf kleinen Stücken Pergament, den cartellini oder tabellae. Das so entstandene semi-öffentliche musaeum Iovianum sollte seinen Gästen als templum virtutis möglichst eindrucksvolle positive wie negative exempla von Charakterbildern präsentieren, wobei die Porträts und die zugehörigen Texte einander in ihrer Wirkung ergänzen sollten.
1546 und 1551 publizierte Giovio seine Prosa-Viten und die daran angeschlossenen Gedichte – der erste Band enthielt die Elogia auf Literaten (Elogia virorum literis illustrium, s. das Digitalisat des MDZ), der zweite die auf ‚Kriegsleute‘ (Elogia virorum bellica virtute illustrium). 1557, fünf Jahre nach Giovios Tod, griff der flämische Kleriker und Humanist Johannes Latomus (1523–1578) Giovios Literaten-Elogia wieder auf und fügte in einem Neudruck jeder Kurzvita ein eigenes Gedicht hinzu. Zudem wurde die Edition um zahlreiche weitere poetische Beigaben verschiedener Autoren erweitert. Im Nachdruck von 1577 bei Pietro Perna in Basel wurden schließlich noch die ursprünglich von Giovio selbst erträumten druckgraphischen Porträtbilder ergänzt (s. das Digitalisat des MDZ). Die darin enthaltenen Holzschnitte basieren auf Zeichnungen Tobias Stimmers, welche dieser (größtenteils) nach den Bildnissen in Giovios Sammlung anfertigte.
In Zusammenarbeit mit dem FWF und der Universität Wien beschäftigt sich das Forschungsprojekt, aus welchem diese Website hervorgegangen ist, mit den Gedichten in Giovios Elogia virorum literis illustrium, deren Übersetzungen und Analysen in Hinblick auf gattungstypische Topoi (s. z.B. Lattimore 1962; Esteve-Forriol 1962; Lenzinger 1994), Stilmittel, die narrative Ausgestaltung (adaptiert von Pfister 2001) sowie antike und zeitgenössische Prätexte sich auf dieser (laufend aktualisierten) Website finden werden.